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Studium Generale digital Sommersemester 2022

Rahmenthema:        Freiheit und Demokratiefähigkeit

Ort: Online (Zoom)

Zeit: montags 18.00-19.30 Uhr

Leitung und Moderation: Apl. Prof. Dr. Ralf Elm, PH Weingarten

Zoom-Link zur Einwahl:
https://ph-weingarten-de.zoom.us/j/95170734733?pwd=eThmSldESENhOXRIczM0K0FLdmVwdz09
Meeting-ID: 951 7073 4733
Kenncode: 908178

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Studium Generale-Eröffnungsvortrag

16. Mai 2022
Dr. Sven Rößler, Pädagogische Hochschule Weingarten

Benjamin, Arendt, Luxemburg – Anmerkungen aus der Politischen Bildung zur Gewaltgeschichte der Moderne

"Die Kritik der Gewalt ist die Philosophie ihrer Geschichte", schließt Walter Benjamins gleichnamiger Essay; in diesem Sinne, jedoch ohne messianische Hoffnung, begibt sich daher im Rahmen des »Studium Generale« am 16. Mai 2022 der Vortrag von Sven Rößler, Professurvertretung für Politikwissenschaft und ihre Didaktik an der Pädagogischen Hochschule Weingarten, in didaktischer Absicht mit Hannah Arendt auf eine Spurensuche der politischen Implikationen der bürgerlichen Emanzipation im Vergleich von Amerikanischer und Französischer Revolution – und zwar von ihrer Konsequenz der nationalsozialistischen Zivilisationsbarbarei des 20. Jahrhunderts her gedacht. Die in den Monaten vor ihrer Ermordung zunehmend verzweifelte Kommentierung der Oktoberrevolution durch Rosa Luxemburg soll schließlich konkret und anschaulich werden lassen, worauf Rößlers Forderung nach einer »Didaktik der Moderne« zielt: die Geschichte der Moderne vor allem als eine – nur zu gerne verdrängte – Geschichte der Gewalt verstehen und anerkennen, um mit Hilfe eines Begriffes der eigenen Epoche auch zu angemesseneren Urteilen über die Gegenwart zu gelangen.

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30. Mai 2022
Dr. Svantje Guinebert, Universität Leipzig

Der Unfreiheit etwas entgegensetzen: Lässt sich durch Widerstand und Humor Freiheit erringen?

Beim Blick in die Welt kann einem das Lachen schon mal vergehen. Wie wichtig aber das Lachen ist, gerade auch in Momenten, in denen es einem im Halse stecken zu bleiben droht, soll in diesem Vortrag deutlich werden. Die Frage, wie Widerstand so gelebt werden kann, dass durch ihn selbst nicht wiederum die Werte verraten werden, auf denen er fußt, lässt sich mit Rückgriff auf Albert Camus gewinnbringend beleuchten. Einige seiner Gedanken zur Revolte werden mit Überlegungen zu Humor so verknüpft, dass erkenntlich wird: Nicht nur kann Humor in besonders treffender Weise Widersprüche herausstellen und Inakzeptables benennen, er eröffnet darüber hinaus den Raum des Unbestimmten und des Nichtabsoluten, den es sowohl für Kritik und Teilhabe als auch für Freiheit braucht.

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20. Juni 2022

PD Dr. Wolfgang Heuer, Freie Universität Berlin
Der Appell der Verantwortung.
Freiheit und Politik aus der Perspektive Hannah Arendts

In Zeiten der Krise erweist sich einmal mehr die Aktualität und Bedeutung Arendts für die Verteidigung von Freiheit und Politik. Inwieweit bieten ihre Begriffe von Pluralität, kosmopolitischem Urteilen, Macht und Föderation die Grundlage für einen starken Republikanismus? Inwieweit können sie nur durch Offenheit, Mut und Engagement gegen die vielfältigen Bedrohungen verteidigt werden, und was bedeutet in diesem Kontext Verantwortung?

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04. Juli 2022

Prof. Dr. Dr. h.c. Udo Di Fabio, Universität Bonn
Selbstbehauptung des Westens:
Wie können Demokratien internationale Gewalt unter Quarantäne stellen?

Angriffe auf die internationale regelbasierte Ordnung und das Selbstbestimmungsrecht der Völker mehren sich. Aktuelle hegemoniale Großraumideen Russlands oder Chinas ähneln Versuchen während der Dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts, eine multilaterale, gleichberechtigte Weltordnung in Frage zu stellen. Im Kern handelt es sich dabei nicht nur um die Wiederauflage imperialer Machtentfaltung, sondern auch um den Versuch von Autokratien, die Ausbreitung des Systems liberaler Demokratien zu verhindern. Der Westen muss diese Herausforderung ernst nehmen, und eine konzeptionell besser durchdachte Strategie zur Selbstbehauptung der Freiheit und zur Wahrung des Friedens entwickeln.

 

Studium Generale: Veranstaltungreihen

  • 2008/09 „Bildung und die Kunst des Verstehens. Pädagogische, ethische und
                                                                           theologische Perspektiven“
  • 2009 „Menschsein und Personalität im Zeitalter der Biotechnologie"
  • 2009/10 „Ethos und Ethik in Lehrerbildung und Lehrberufen“
  • 2010 „Orientierung und Ethos in der globalisierten Welt“
  • 2010/11 „Information und Kommunikation in der Wissensgesellschaft“
  • 2011 „Mediale Welten – zwischen Realitätsverlust und Kreativität“
  • 2011/12 „Inmitten der Geschichte“
  • 2012 „Wo stehen wir heute?“ (in Verbindung mit „50 Jahre PH Weingarten“)
  • 2012/13 „Über die Zukunft der Gesellschaft“
  • 2013 „Wozu Kunst ‚in dürftiger Zeit’?“
  • 2013/14 „Widersprüche“
  • 2014 „Lernen“
  • 2014/15 „Komplexität“
  • 2015 „Ethische Dimensionen der Bildung“
  • 2015/16 „Sprache und Welt"
  • 2016 „Empire des Digitalen? Sprache und Welt in der digitalen Welt“
  • 2016/17 „Bildung und Gerechtigkeit“
  • 2017 „Mobilität und Transformation. Unterwegs zur globalen Mobilmachung?“
  • 2017/18 „Kulturgeschichtliche Bildung"
  • 2018 „Demokratie im weltgesellschaftlichen Kontext"
  • 2018/19 „Digitalisierung in Erziehungs- und Bildungsprozessen. Möglichkeiten und
                                                                                                           Grenzen"
  • 2019 „Bildung. Ihre Bilder und Maßstäbe“
  • 2019/20 „Bildung in Vergangenheit und Gegenwart"
  • 2020/21 Zukunfts-Bildung?
  • 2021 Kulturelle Bildung – interdisziplinär betrachtet
  • 2021/2022 Kulturelle Welten und interkulturelle Missverständnisse

Leitung:
Apl. Prof. Dr. phil. habil. Ralf Elm